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Musik erleben in eine einzigartige Umgebung, stolze Viertausender, Gletscher zum anfassen, stahlblauer Himmel: das ist Saas-Fee.

6 Symphonische und 2 Kammermusikabenden in der Pfarrkirche mit die virtuose Pianistin Eliane Rodrigues als Mittelpunkt in das Musikfestival Musica Romantica und das große Sinfonie Orchester aus St. Petersburg.

Herzlich willkommen in der Perle der Alpen. Wir freuen uns auf Sie!


 

Yuri Serov – St. Petersburg Konservatorium Professor – 3. September 2011

Wieder und wieder ist zwischen den majestätischen Alpengipfeln großartige Musik zu hören. Wieder und wieder wird die Kunst, die jeden Augenblick Ihrer Existenz voller Wärme und Herzlichkeit verändert, zur Nachbarin der Berglandschaften, die sich – seit Jahrtausenden mit ewigem Eis bedeckt – schön und etwas kühl von jeder Kreation distanzieren.

Eliane Rodrigues, Spitzenstar von Música Romântica, Herz und Seele des gesamten Festivals, trat dieses Jahr in sechs Konzerten auf. Sie bewies ihre erstaunliche, unvergleichliche Individualität in Klavierkonzerten, in Kammermusikprogrammen und am Dirigentenpult. Erstaunlich sind ihr virtuoser Schwung, ihre komplette innere Freiheit, ihre Energie. Elianes Gabe ist sehr besonders und deshalb ist das Festival in Saas-Fee einzigartig und unnachahmlich.
Eines ihrer Meisterstücke dieses Sommers ist die hervorragende Darbietung von Beethovens 5. Klavierkonzert als Dirigentin und Solistin zugleich, früher schien das im Prinzip unmöglich. Beeindruckend waren Größe und Kraft der Interpretation des Klavierparts in Dvoraks Quintett sowie die Traurigkeit und sehr russische Melancholie in den langsamen Sätzen der Rachmaninoff-Konzerte.

Das Auftreten des Nationalen Sinfonieorchesters von Litauen sollte als erfolgreichstes Debüt bei Música Romântica erwähnt werden. Dieses Ensemble aus Vilnius verschaffte Musikliebhabern einen echten Genuss. Ein hervorragend organisiertes Orchester, ausgezeichnet harmonierend, mit einem weichen, aber fein durchstrukturiertem, sehr transparenten Sound, das sehr unterschiedliche Musikstile absolut natürlich und lebhaft interpretierte und sich dabei selbst treu blieb – nicht nur bei der Geschmeidigkeit französischer Musik und in den endlosen Kantilenen von Rachmaninoff und Tschaikovsky, sondern auch in der klaren Artikulation der Wiener Klassiker. Die litauischen Musiker probten und spielten in Konzerten mit solch sichtbarem Vergnügen, dass es unmöglich war, sich nicht ihrer Einstellung hinzugeben und ihnen zu folgen. Multiplizieren Sie das alles mit dem individuellen musikalischen Können der Orchestersolisten, mit Disziplin und Verantwortungsbewusstsein, dann werden Sie verstehen, warum jedes Konzert der litauischen Gäste mit anhaltendem frenetischem Applaus des Publikums endete. Wir sollten den Produzenten des Festivals unseren besonderen Dank aussprechen, die bereits seit mehreren Jahren Sinfonieorchester höchster europäischer Klasse nach Saas-Fee gebracht haben.

Juozas Domarkas, der das Orchester aus Vilnius gegründet hat und seit mehr als 47 Jahren leitet, ist einer der brillantesten Vertreter der alten sowjetischen Dirigentenschule. Seine soliden Interpretationen russischer Musik waren ganz nach meinem Geschmack. Rachmaninoffs Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 mit Eliane Rodrigues wurde zu einer wahren Hymne an die romantische Schönheit. Die unvorhersehbare und verblüffende Improvisationsweise von Eliane wurde dabei von der üppigen Klanggrundlage des Orchesters unterstützt. Das Spanish Capriccio von Rimski-Korsakov krönte die russische Nacht mit dem virtuosen Glanz des Orchesters, vergleichbar mit funkelnden Champagnerspritzern – ganz im Einklang mit der Konzeption des Komponisten für dieses betörende Stück.

Das französische Programm verzauberte durch seine Kombination populärster Hits mit weniger bekannten Kompositionen. Aber das Orchester und sein Chefdirigent zeigten sich bei Werken beider Kategorien von ihrer allerbesten Seite. Dem Publikum gefielen besonders Introduction et Rondo Capriccioso für Violine und Orchester von Saint-SaŃ‘ns mit Lidia Kovalenko als Solistin und natürlich Ravels Bolero – ein Stück, das ebenso populär wie schwierig zu spielen ist. Lidia Kovalenko war nach längerer Pause zurück bei Música Romântica. Es war eine Freude zu sehen und – wichtiger noch – zu hören, dass sich diese hochbegabte Geigerin aus St. Petersburg in den letzten Jahren so bemerkenswert weiterentwickelt hat. Absolute Kenntnis aller Feinheiten und Geheimnisse der Geige, kraftvolle und willensstarke Botschaft, schnelle Tempi (manchmal am Rande des Unmöglichen) – alle diese Facetten ihres Talents verschönerten die bereits farbenfrohe, opulente musikalische Palette des Konzerts.

Die Schweizer Nacht bleibt in der Erinnerung haften wegen der Aufführung des kolossalen Stücks Schelomo von Ernest Bloch und der Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Rachmaninoff. Im Ersteren waren die kraftvollen Tutti des Orchesters perfekt mit impressiv intonierten Cellosolo-Antworten kombiniert. Der herausragende israelische Cellist Gavriel Lipkind erwies sich als idealer Solist für dieses bemerkenswerte Stück. Sein Cello hat einen zauberhaften Klang, der Musiker hat eine höchst kultivierte musikalische Persönlichkeit, und die Darbietung auf der Bühne ist bis in die kleinsten, theatralisch fein gezeichneten Details ausgefeilt. Die Rhapsodie über ein Thema von Paganini stellte dem Publikum die exquisite Stilistik des späten Rachmaninoff vor, bei der sich Eliane Rodrigues ganz zu Hause fühlte. Sowohl die Solisten als auch das aufmerksame Orchester versetzten das Publikum von der ersten bis zur letzten Note in ständige Spannung, was nicht so oft bei Aufführungen dieses vor vielen Jahren in den Schweizer Alpen komponierten Meisterstücks geschieht. 

Dirk Vermeulen, der Dirigent, in Europa seit vielen Jahren als interessanter und profunder Interpret klassischer und frühromantischer Musik bekannt, zeigte im Rahmen des österreichischen Programms ein beeindruckendes Ergebnis. Seine energischen Proben voller wirklich interessanter Details und ganz besonderer Facetten führten zu einer fröhlichen Musicalstimmung während des Konzerts. Seit langem habe ich eine so spritzige und zugleich präzise Darbietung der Ouvertüre zu Die Fledermaus von Johann Strauss Sohn gehört noch seines Walzers Wiener Blut. Das Orchester folgte Vermeulen mit offensichtlichem Vergnügen und dem Wunsch, ein Maximum seiner Fähigkeiten zu zeigen – und die erwiesen sich wirklich als hervorragend. Im ersten Teil des Programms gab es Mozarts Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester. Lidia Kovalenko und Mikhail Zemtsov, die ausgezeichneten Solisten, waren in der Tat bewunderungswürdig. Frau Kovalenko erstaunte uns wieder einmal mehr mit ihrer technischen Perfektion und Klarheit, ebenso aber auch Herr Zemtsov mit einem erstaunlich warmen Klang und intimen Intonationen im langsamen Satz, diesem Meisterstück eines Genies.

Oben habe ich bereits das bedeutsamste Debüt des Festivals erwähnt, das erste Auftreten des litauischen Orchesters in Saas-Fee. - Aber ich möchte keinesfalls versäumen, an eine andere Sensation zu erinnern, die – was den Beitrag zum Festival betrifft – zwar etwas bescheidener war, aber deshalb nicht weniger wichtig für die Debütantin selbst. Ich spreche von den Auftritten von Nina Smeets-Rodrigues, einer jungen Pianistin aus Antwerpen. Sie besitzt eine exzellente Klaviertechnik und interpretierte Rachmaninoff, Mahler und Dvorák leicht und unbefangen. So bestand sie diese herausfordernde künstlerische Prüfung und brachte Frische und neue Farben in den Kammermusikteil von Música Romântica.

Traditionell widmete sich die Abschlussnacht des Festivals Hollywood. Eliane Rodrigues dirigierte musikalische Leckerbissen aus bekannten Filmen. Dem Publikum in der sehr gut besuchten Pfarrkirche Saas-Fee gefiel dieses raffinierte musikalische Geschenk. Die Zuhörer waren lange nicht willens, die Kirche zu verlassen, und holten die Musiker immer wieder zurück auf die Bühne. Man spürte, dass viele von ihnen ein wenig traurig waren, weil zwei fantastische Wochen des Eintauchens in Musik ein Ende hatten. Nun, wir hoffen auf ein Wiedersehen, Música Romântica? 

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